In weiten Teilen der Welt hört man immer wieder vom Phänomen der Landflucht – die Menschen wollen in die großen Metropolen ziehen. Die Baden-Württemberger hingegen zieht es raus aus den Städten: Fast alle Stadtkreise haben in der ersten Hälfte dieses Jahres Einwohner verloren, wie eine Auswertung des Statistischen Landesamtes am Montag zeigt. Vor allem Karlsruhe, Heidelberg, Stuttgart, Mannheim und Freiburg waren betroffen. Sie verloren jeweils mehr als 1000 Personen. Auffällig: Gleichzeitig verzeichneten die Kreise Breisgau-Hochschwarzwald sowie Karlsruhe den größten Zuwachs in der besagten Zeitspanne. Baden-Baden kann sich als einziger Stadtkreis über einen geringen Zuwachs freuen. Die Statistiker erklären den Rückgang in den Großstädten mit Wohnungsknappheit und hohen Wohnkosten. Die Bewohner ziehe es aus den Zentren in das nähere Umland. »Der Ländliche Raum wird für Zuziehende wieder zunehmend attraktiver«, heißt es in der Mitteilung. Insgesamt wuchs die Einwohnerzahl des Landes im ersten Halbjahr um etwa 1600 Personen. Es handelt sich dabei jedoch um den geringsten Zuwachs seit mehr als zehn Jahren. Die erfassten Daten zeigen auch: Mannheim ist nach Stuttgart wieder die zweitgrößte Stadt im Südwesten. Ende Juli lebten in Mannheim 309 119 Menschen und damit 131 mehr als in Karlsruhe (308 988). Die Mannheimer haben sich somit 2020 ihren alten Rang zurückerobert.

Schwarzwälder Bote